Führungstools für Einsteiger – 2

von Lars Jannack

 

Führungstools für Einsteiger ist eine wiederkehrende Kolumne des Berateringenieurs Lars Jannack, in der er Werkzeuge vorstellt, die jungen Führungskräften bei der Bewältigung neuer Aufgaben helfen.

 

Der zweite Teil von „Führungstools für Einsteiger“ handelt von Bedeutung und Nutzen von Organisation und Strukturierung der Führungsarbeit.

 

Lebe Dich an die Spitze Deiner Organisation / Halte Strukturen ein

 

Mit der Beförderung in eine Führungsposition ist man im Organigramm an der Spitze der zugehörigen Organisationseinheit eingetragen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass diese Organisation einen trägt oder akzeptiert. Häufig resultiert eine Führungsposition funktionsbedingt in eine andere Sicht der Dinge, Akzeptanz, Respekt und Vertrauen müssen jedoch erst verdient werden.

Das habe ich selbst erfahren müssen. Nach dem ich zwei Werke erfolgreich restrukturiert und weiterentwickelt hatte, bekam ich die Aufgabe einen Standort zu übernehmen, der auf der grünen Wiese entstanden war und nach zwei Jahren immer noch mit großen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Obwohl das, was ich davor erreicht hatte, bekannt war, verlief meine Einführung in das Werk eher unglücklich und ich stand einer Organisation gegenüber, die zunächst mich und mein Wirken mit großem Misstrauen verfolgte. Die allgemeine Lage war die, dass die Hauptproduktionsstraßen nicht abgenommen waren, Anlagenlieferanten bei Störungen nicht mehr erreichbar waren, die Auslastung eher schwach war und sich so der gesamte Standort in einer Art Dornröschenschlaf befand. Obwohl für die Art der Produktion geeignete Führungsstrukturen aufgebaut worden waren und das Werk über eine sehr gute eigene Instandhaltung verfügte, erhielt ich bei jeder Störung und bei jedem noch so kleinen Problem und Nicht-Problem einen Anruf. Nahezu keine der eingeführten Führungsebenen fällte Entscheidungen sondern delegierte diese faktisch „nach oben“ an mich weiter. Man war nicht bereit, Verantwortung zu tragen. Aber wie sollte ich das allein in den Griff bekommen? Die dringend notwendigen Verbesserungen würden nur zu erreichen sein, wenn jeder im Werk mithelfen würde.

Ich verfolgte zunächst die bereits beschriebenen Vorgehensweisen und war in den ersten 3 Monaten morgens ab 06:00 Uhr im Werk in der Produktion und verließ dieses nicht vor 22:00 Uhr. Schnell lernte ich, dass Eingriffe in die Abläufe an der kompletten Organisationsstruktur vorbei in der Vergangenheit an der Tagesordnung gewesen waren. Der Wille zur Initiative war praktisch vollständig zum Erliegen gekommen und keiner der Vorarbeiter – aus meiner Sicht das Rückgrat der Produktion – wusste noch, wo er stand. Bei einer der nächsten Störungen fragte ich nun in Anwesenheit des Produktionsleiters und des Qualitätsleiters, welche Abstellmaßnahmen aus seiner Sicht für einen schnellen Wiederanlauf seiner Produktionsstraße sorgen würden. Er äußerte verwundert einige Ideen, die ich dann den Anwesenden zur Diskussion stellte. Man einigte sich schnell und sah mich dann fragend an. Ich gab mein OK mit der Anmerkung, dass man das doch in Zukunft auch ohne mich könne. Ab sofort wollte ich nur noch über wesentliche Stillstände dieser Fertigungsstraße und die geplanten Abstellmaßnahmen umgehend informiert werden.

Folgende Schritte bin ich mit Erfolg gegangen:

Schritt 1: Wenn man neu in einem Bereich ist, die Wege einhalten. Beim Rundgang zum Schichtende den jeweiligen Verantwortlichen mitnehmen und bei Auffälligkeiten diese mit Ihm besprechen und auch durch Ihn mit seinen Mitteln abstellen lassen.

Schritt 2: Bei Entscheidungen niemals die betreffenden Führungsebenen übergehen sondern diese mit in den Umsetzungsprozess einbinden.

Schritt 3: An Problemstellen, Engpassanlagen oder Qualitätsanlagen sich soweit in das Thema einarbeiten, bis man selber zum Experten wird und so einen Synergieprozess einleiten kann Kennzahlen, Auswertungen an denen man sich orientiert und an denen sich die Mitarbeiter orientieren sollen, transparent machen und für jeden einsehbar machen.

Schritt 4: Als „Neuer“ auf die Situation vorbereitet sein, in der man mit einer sofort zu fällenden Entscheidung konfrontiert wird, die man aber ohne den notwendigen Überblick und die dafür notwendigen Kenntnisse gar nicht ad hoc fällen kann.
Hier empfehlen sich 2 Wege: Der fachliche Weg oder der Weg über die Organisation bzw. die Zuständigkeiten.

Schritt 5: Sich ein Thema suchen, welches nicht in Frage gestellt werden kann. Entscheidungen dazu können nicht diskutiert werden.

 

Lars Jannack ist geschäftsführender Gesellschafter der Jannack + von Heesen Berateringenieure GmbH & Co. KG. Er revitalisiert Unternehmen und berät diese bei der operativen Führung, Restrukturierung und Entwicklung von Produktionsstandorten.

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